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[Gastprojekt]

EN PLEIN AIR 2021

Performance-Reihe im öffentlichen Raum

Hans Schabus
Auf der Suche nach der endlosen Säule (Drei Koffer)
2021

Freitag (Ankunft), 23.07, ganztägig
Samstag (Abfahrt), 24.07, ganztägig


Foto © Hans Schabus

Zwischen Juli und Oktober 2021 findet die vierte Ausgabe der en plein air, Performance-Reihe im öffentlichen Raum statt. Die Performances finden in urbanen Naturräumen, in Parks und öffentlichen Straßen statt. Dieses Jahr sind drei internationale Künstler eingeladen worden: Hans Schabus, Andrej Polukord und Silvia Hell. Im Mittelpunkt ihrer performativen Arbeit steht die Interaktion mit Passanten, die eingeladen werden, mitzumachen und Teil der Performance zu werden.


Hans Schabus
Auf der Suche nach der endlosen Säule (Drei Koffer)
2021

Seit einer Reise durch Rumänien Anfang 2000 ist Hans Schabus auf der Suche nach der endlosen Säule. Verschiedenste Projekte die das Motiv der Bewegung behandeln, sind dieser Suche gewidmet. Das titelgebende Werk hatte Constantin Brancusi 1937 an den Karpatenausläufern, in Targu jiu, errichten lassen. Es ist Teil eines Kriegerdenkmals des 1.Weltkriegs.

Die Säule verortet sich im Stillstand und verweist im Titel weit über sich selbst hinaus. Sie wird dadurch für Schabus zum Leitmotiv für Bewegung und die Überwindung des Messbaren. Die Säule steht mit ihrer endlosen Behauptung für eine endlose Suche nach ihr. Sie steht für den Fortgang und für das Fortgehen, für das Verlassen eines Ortes und für das Unterwegs sein.

Nach München wird Hans Schabus mit dem Zug anreisen – wir wissen nicht genau, woher er kommt und wann er ankommt. Er wird drei Koffer mitbringen. Drei Koffer, die erstmals 1998 für die performative Filmarbeit »100 laufmeter« verwendet wurden.

Eine Hand trägt drei Koffer, nach und nach, einzeln die Straße entlang. Aus dem Bahnhof hinaus, einen Koffer hinstellen, zurückgehen, einen weiteren Koffer nach vorne tragen. Zurückgehen, um Voranzukommen. Fortwährend. Immer alle Koffer im gefühlten Blick. Das Hin und Her des Trägers dynamisiert die Strecke. Sie ist fünfmal so lang.

Einer Partitur gleich trägt Hans Schabus seine Töne in Position, hält sie fortlaufend in Bewegung. Die Koffer geben einander die Richtung vor. Sie stehen scheinbar alleingelassen neben der Straße, warten bis sie an der Reihe sind. Sie sind gekennzeichnet vom Verlangen getragen zu werden. Die Koffer sind foliert, den Umstand des Verschlossenseinsverdringlichend. Das Private reibt sich an der Membran zum Öffentlichen.

Die Strecke verläuft entlang der Sonnenstraße in Richtung Süden, wo sich in der Holzstraße mit dem Kunstraum München ein vorläufiges Ziel befindet. Über Nacht werden die Koffer dort eine Gruppe bilden, um am nächsten Tag wieder auseinandergezogen zurück zum Bahnhof getragen zu werden, weiter auf einer Reise, die nicht zu Ende geht.

Hans Schabus wurde 1970 in Watschig / Österreich geboren und lebt in Wien. Von 1991 bis 1996 studierte er Bildhauerei bei Bruno Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 2012 unterrichtet er an der Universität für angewandte Kunst, wo er die Abteilung für Skulptur und Raum leitet.

Hans Schabus zeigt seine Arbeiten seit 1992 im nationalen wie internationalen Kontext. Er wurde durch die Gestaltung des Österreichischen Pavillons an der 40. Biennale di Venezia im Jahr 2005 international bekannt.

Ein Gastprojekt des Kunstraum München


Kuratiert von Emily Barsi


EN PLEIN AIR 2021 wird gefördert von Kulturreferat Landeshauptstadt München / Interkulturelles und Internationale Kulturarbeit, Kunstraum München, Lithuanian Culture Institute.






The fourth edition of en plein air, a perfomance series in public space, is taking place between July and October 2021 in urban green areas, parks, and public streets. This year, three international artists have been invited to realize projects: Hans Schabus, Andrej Polukord, and Silvia Hell. Their work focuses on interactions with passers-by who are invited to join in and become part of the performance.

Hans Schabus
Auf der Suche nach der endlosen Säule (Drei Koffer)
2021

Since his trip through Romania in early 2000, Hans Schabus has been looking for the endless column. He has dedicated various projects that deal with the motif of movement to this search.

The title refers to a sculpture that Constantin Brancusi erected in 1937 in the Carpathian foothills in Targu jiu, which is part of a World War I memorial.

The column stands still, yet its title points far beyond. For Schabus, it functions as a leitmotif for movement and for overcoming the measurable—an endless assertion of a neverending search. The column stands for progress and moving on, for leaving a place and for being on the way.

Hans Schabus is traveling to Munich by train—from where, we don’t know exactly. He is bringing three suitcases with him—suitcases that he first used in 1998 for the performative film 100 running meters.

Using one hand, he carries the three suitcases, one after the other, down the street. Leave the train station, put down a suitcase. Go back, pick up another, and carry it to the front. Go back to move forward. Constantly. With all suitcases in sight. This back and forth movement dynamizes the route. It’s five times as long.

Like a musical score, Hans Schabus carries his notes into position, keeps them constantly in motion. The suitcases show each other the direction. They seem to be left alone on the side of the road, waiting for their turn. They are characterized by the need to be carried. The suitcases are wrapped in foil, obscuring the fact that they are locked. The private rubs against the public membrane.

The route runs along the Sonnenstrasse to the south, where a provisional destination is located in at the Kunstraum München in the Holzstrasse. Overnight, the suitcases will form a group there and then be pulled apart and carried back to the train station the next day to continue a journey that never ends.

Hans Schabus was born 1970 in Watschig, Austria, and lives in Vienna. From 1991 to 1996, he studied sculpture with Bruno
Gironcoli at the Academy of Fine Arts Vienna. Since 2012, he has taught at the University of Applied Arts where he heads the Department of Sculpture and Space.

Hans Schabus has exhibited his work nationally and internationally since 1992. He gained international renown for his design of
the Austrian Pavilion at the 40th Biennale di Venezia in 2005.

A guest project of the Kunstraum München.

Curated by Emily Barsi

EN PLEIN AIR 2021 is funded by the Kulturreferat Landeshauptstadt München / Interkulturelles und Internationale Kulturarbeit, Kunstraum München, and the Lithuanian Culture Institut.


Fotos 1, 2, 5 © Dieu Merci
Fotos 3, 4 © Dorothea Brunialti