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Gustav Metzger – Revisited

27. Januar – 06. März 2022

Eröffnung:
Mittwoch, 26.01., 19 Uhr



Historic Photographs, Hitler-Youth. Eingeschweißt, 1997
Kunstraum München, 11.9.1997
Foto: Pia Lanzinger


In Vorbereitung auf das 50-jährige Jubiläum (1973–2023) öffnet der Kunstraum München sein künstlerisches Archiv. Ausgehend von drei Präsentationen und Interventionen von Gustav Metzger (1926–2017) im und vom Kunstraum München (1997, 1999 und 2006) werden Werke und Artefakte der Ausstellungen präsentiert, die gemeinsam mit Theoretiker:innen und Beteiligten unter verschiedenen Gesichtspunkten diskutiert werden.

Bis heute gehört Gustav Metzger zu einem der wichtigsten Vertreter der politischen Aktionskunst. Als Reaktion auf nukleare Bedrohungen, humanitäre Katastrophen, die Zerstörung der Natur und den kapitalistischen Kunstmarkt stand seit 1959 die »Autodestruktive Kunst« im Zentrum vieler seiner Werke und Aktionen, in denen er unter anderem Abgase, Säure und Flüssigkristalle verwendete. 1966 kulminieren diese Auseinandersetzungen im »Destruction in Art Symposium« (DIAS) in London mit Mitgliedern der Wiener Aktionisten- und Fluxus-Bewegung, Psycholog:innen, Dichter:innen und Musiker:innen. Im »Art Strike« rief er 1977 zum Widerstand gegen den institutionalisierten Kunstbetrieb auf, indem er forderte, künstlerische Produktion für drei Jahre einzustellen.

Mit der Ausstellung »Gustav Metzger – Revisited« widmet sich der Kunstraum einem Künstler, der Zeit seines Lebens die Aufgabe der Kunst und den Status der künstlerischen Arbeit kritisch hinterfragt hat. Im Zentrum einer archivarischen Reaktivierung steht die Frage: Was sagen in diesem Zusammenhang seine Arbeiten und Dokumente für uns heute aus?


Programm

26. Januar, 19 Uhr
Eröffnung

05. Februar, 16 Uhr
Gespräch mit Dr. Justin Hoffmann (Direktor, Kunstverein Wolfsburg)

26. Februar, 16 Uhr
Gespräch mit Juli Lambert (Filmemacherin, München) und
Dr. Doris Leutgeb (Kustodin, Leitung Sammlung Generali Foundation, Salzburg)

05. März, 16 Uhr
Kuratorische Präsenz


Kuratiert von Luise Horn und Lena von Geyso


As part of the preparations for its 50th anniversary (1973–2023), the Kunstraum München is opening its artistic archive to revisit artworks and artifacts from three presentations and interventions by Gustav Metzger (1926–2017) that took place in or were produced by the Kunstraum in 1997, 1999, and 2006. As part of the project, theorists and other participants will also be discussing these works from varying points of view.

Still today, Gustav Metzger is considered one of the most important representatives of political action art. His »auto-destructive art« — that formed the nucleus of his work as of 1959 and often incorporated exhaust gases, acid, and liquid crystals, among other thingswas made in reaction to nuclear threats, humanitarian catastrophes, the destruction of nature, and the capitalist art market. The controversy culminated in the »Destruction in Art Symposium« (DIAS) in London in 1966 that included members of the Vienna Actionist and Fluxus movements as well as psychologists, poets, and musicians. In »Art Strike« of 1977, Metzger urged resistance to the institutionalized art market by demanding that artistic production be suspended for three years.

With the exhibition »Gustav Metzger – Revisited« the Kunstraum dedicates itself to an artist who critically questioned the role of art and art’s status throughout his life. At the center of this archival reactivation is the question: What do his works and documents say in today’s context?


Program

January 26, 7 p.m.
Opening

February 5, 4 p.m.
Talk with
Dr. Justin Hoffmann (Director, Kunstverein Wolfsburg)

February 26, 4 p.m.
Talk with
Juli Lambert (filmmaker, Munich) and
Dr. Doris
Leutgeb (Custodian, Head of the Generali Foundation Collection, Salzburg)

March 5, 4 p.m.
Curatorial
presence


Curated by
Luise Horn and Lena von Geyso

Modell Kunstraum

15. November 2021 – 31. Dezember 2022

Eröffnung des Archivdisplays von und mit
rasso rottenfusser
Sonntag, 14.11., 14 – 18 Uhr



Der Kunstraum München nimmt sein bevorstehendes 50-jähriges Jubiläum 2023 zum Anlass, sich intensiv der eigenen Historie zu widmen, die Arbeit am Archiv zu intensivieren und den Blick für eine Auseinandersetzung über Aufgaben, Rollen und Potenziale der Institutionsform Kunstverein zu öffnen.


Der Gründung des Kunstraums 1973 geht ein Vorgängerverein voraus, der sich 1926 als »Die Freunde der Bildenden Kunst« formiert hatte und auch über die Zeit des 2. Weltkriegs hinaus fortbestand. Auf dieser Vereinsstruktur gründete sich der Kunstraum München e.V. als Alternative zum Kunstverein München, der seit den späten 1960er Jahren ein dezidiert politisches Programm verfolgte. Der Schwerpunkt des Kunstraum München lag und liegt auf der Ausstellung und Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Neben regionalen und überregionalen Positionen wurden in den 1970er Jahren insbesondere US-amerikanische, abstrakte Künstler:innen in Einzelausstellungen präsentiert; häufig wurden erstmals internationale Positionen in Deutschland gezeigt. Seit Beginn fanden hier wegweisende Ausstellungen bspw. von Agnes Martin und Richard Tuttle (beide 1973), Franz Erhard Walther (1976, 1982), Jonas Hafner und Joseph Beuys (1981), Olaf Metzel (1982) sowie Hanne Darboven (1988) oder Gustav Metzger (1996) statt. Seit den 1990er Jahren richtet sich der Fokus verstärkt auf thematische Gruppenausstellungen und schwerpunktmäßig auf gesellschaftspolitischen Themen, wie »Mädchenzimmer« (1998), »Lara Croft:ism« (1999) oder »The Domain of the Great Bear« (2006/07).

Ein Teil des Ausstellungsarchivs ist bereits seit 2013 online über die Homepage zugänglich und wird seitdem kontinuierlich fortgeschrieben. Im Zuge des Archivprojekts, das seinen Auftakt im November 2021 nimmt, entstehen eine erweiterte digitale Archivstruktur sowie eine Innenraumarchitektur des Künstlers rasso rottenfusser, die im Kunstraum bis zum Jubiläumsjahr als Display für Forschung und Diskurs dient. Hier wird historische Material aus Archivalien und Digitalisaten mit Oral History-Veranstaltungen und Roundtable-Gesprächen mit aktiven und ehemaligen sowie externen Akteur:innen verbunden.

Neben der jeweiligen zeitgenössischen Kunst- und Ausstellungspraxis spielen Fragen von Organisation und Institution, kunstsoziologische Zusammenhänge und die Aspekte von Mitgliedschaft und Teilhabe eine wichtige Rolle. Der Kunstraum München wurde immer kollektiv und ehrenamtlich geleitet, zunächst v.a. von Sammler:innen und professionelle Autodidakt:innen, dann vermehrt von Kunsthistoriker:innen und Künstler:innen. Damit nimmt er in der Landschaft der deutschen Kunstvereine nach wie vor mit wenigen anderen eine Sonderstellung ein.

Erste Veranstaltungen:

rasso rottenfusser
»ARCHIVDISPLAY«

Eröffnung: Sonntag, 14. November 2021, 14:00 – 18:00 Uhr
Ausstellungsdauer:
15. November 2021 – 31. Dezember 2022

»Round Table / Archivgespräch«
Samstag, 4. Dezember 2021
14:00 Uhr: Round
Table mit ehemaligen und aktiven Ausstellungsaufsichten
16:30 Uhr:
Archivgespräch mit Adrian Djukic (Archiv Kunstverein München), Cora Piantoni (Künstlerin, München/Zürich), Dr. Friederike Schuler (Archiv Kunstraum München), Hagen Verleger (Buchgestalter, Berlin)

Ab 14. November ist das Archivdisplay jeden Mittwoch von 11:00 Uhr – 16:00 Uhr durch ein Mitglied der Archivgruppe besetzt. Falls Sie Fragen oder historisches Material zum Kunstraum München haben, freuen wir uns über Ihren Besuch oder Ihre Kontaktaufnahme unter: .(Javascript muss aktiviert sein, um diese Email-Adresse zu sehen) (Ansprechpartnerin: Friederike Schuler).

Archivgruppe: Dr. Patricia Drück, Lena von Geyso, Nina Holm, Luise Horn, Lennart Laule, Cora Piantoni, Dr. Friederike Schuler, Alexander Steig.


Gefördert von:





www.kulturstaatsministerin.de
www.bundesregierung.de
http://www.kulturgemeinschaften.de


The Kunstraum München is taking its 50th anniversary in 2023 as the opportunity to look closely at its own history, to intensify work on its archive, and to examine the function, role, and potential of the »Kunstverein« (art association) as an institutional form.

The Kunstraum was founded in 1973 out of the preceding association »Die Freunde der Bildenden Kunst« (The Friends of Fine Art) that was formed in 1926 and continued to exist beyond the Second World War. Founded on this earlier structure and serving as an alternative to the Kunstverein München—which had been pursuing a decidedly political program since the late 1960s—the focus of Kunstraum München was, and still remains, on the exhibition and communication of contemporary art. In addition to regional and national positions, solo exhibitions of the work of American abstract artists were presented here during the 1970s and many international positions were shown in Germany for the first time. From the very beginning, groundbreaking exhibitions were held at the Kunstraum, including those by Agnes Martin and Richard Tuttle (both 1973), Franz Erhard Walther (1976 and 1982), Jonas Hafner and Joseph Beuys (1981), Olaf Metzel (1982), Hanne Darboven (1988) and Gustav Metzger (1996). Since the 1990s, the programmatic emphasis has increasingly been on group exhibitions with a concentration on socio-political themes as seen in »Mädchenzimmer« (1998), »Lara Croft:ism« (1999) or »The Domain of the Great Bear« (2006–07).

Since 2013, a portion of the Kunstraum’s exhibition archive has been accessible online via its homepage which is updated continuously. As part of the current archive project, which kicks off in November 2021, an expanded digital archive structure will be created. Additionally, the artist rasso rottenfusser has installed a physical interior architecture that will serve as a display for the research and discourse taking place in the Kunstraum until its anniversary year. Here, historical documents from the archives as well as digitized material will be combined with oral history events and roundtable discussions with active and former organizers and agents.

Alongside contemporary art and exhibition practice, questions about organization and institution, the interrelationship between art and sociology, and aspects of membership and participation are to play important roles. The Kunstraum München has always been run collectively on a voluntary basis, initially by collectors and professional autodidacts, then art historians and artists. Thus, it still occupies a special position in the landscape of German art associations.

First events:

rasso rottenfusser
»ARCHIVDISPLAY«

Opening: Sunday, November 14, 2021, 2:00 – 6:00 p.m.
Exhibition
duration: November 15, 2021 – December 31, 2022

»Round Table / Archive Talk«
Saturday,
December 4, 2021
2:00 p.m.:
Round Table with former and active exhibition supervisors
4:30 p.m.:
Archive talk with Adrian Djukic (Archive, Kunstverein München), Cora Piantoni (Artist, Munich/Zurich), Dr. Friederike Schuler (Archive, Kunstraum München), Hagen Verleger (Book Designer, Berlin)

Starting November 14, the Archive Display will be staffed by a member of the Archive Group every Wednesday from 11:00 a.m. – 4:00 p.m. If you have any questions or historical material about the Kunstraum München, we would be happy to hear from you at: .(Javascript muss aktiviert sein, um diese Email-Adresse zu sehen) (contact: Friederike Schuler).

Archive Group: Dr. Patricia Drück, Lena von Geyso, Nina Holm, Luise Horn, Lennart Laule, Cora Piantoni, Dr. Friederike Schuler, Alexander Steig