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Julien Viala, John Beeson, Edition Taube
BIEN COMMUN

Mittwoch, 17. Januar, 19 Uhr





Objektpräsentation des Künstlers Julien Viala in Zusammenarbeit mit dem Autor John Beeson und Jonas Beuchert/Edition Taube.

Im Rahmen einer Ein-Tages-Ausstellung stellt der Kunstraum eine Arbeit vor, die an der Schnittstelle von Edition, Künstlerbuch, Publikation und Skulptur fungiert. Der Titel „Bien commun“ beschreibt im Französischen (mehr noch als das deutsche „Gemeinwohl“) das Gut innerhalb einer Gesellschaft und eines kulturellen Kreises im politischen, philosophischen und theologischen Sinn. Die Terminologie ist Ausgang für eine Erörterung von Julien Viala und seinen Kollaborateuren.

Julien Viala hat einen schier endlosen Fundus an fotografischen Beobachtungen gesammelt, wie Kunstwerke, kunsthistorische Artefakte oder ästhetische Eingriffe im öffentlichen und halböffentlichen Räumen „auftreten“. In Zusammenarbeit mit Jonas Beuchert von Edition Taube entstanden daraus einen halben Meter lange Papierblöcke mit einer scheinbar endlosen Anzahl von Seiten, in zufälliger Reihenfolge wie Bücher verleimt. John Beeson beleuchtet in seinem gleichnamigen Essay verschiedenen Aspekte und 
Konflikte, die mit dem Begriff „Bien commun“ und dessen 
Übersetzung in unterschiedliche Sprachen und Kontexte verbunden sind. Am Abend werden die Papierblöcke angeschnitten und in zufällige Bücher zerteilt.

Weiteres über „Bien Commun“ wird von Julien Viala und Jonas 
Beuchert von Edition Taube im Gespräch mit Nina Holm verraten.

Alexander Steig
VISUS VISERE

Mittwoch, 24. Januar, 19 Uhr





Buchpräsentation und Interview-Film in Anwesenheit der Kuratorin Patricia Drück und des Künstlers Alexander Steig sowie des Grafikers Andreas Henze, des Fotografen Andreas Stolle und des Verlegers Hubert Kretschmer.

Im Programm des icon Verlages erschien 2017 Publikation VISUS VISERE anlässlich des gleichnamigen Projektes von Alexander Steig im Kunstraum München. Ausstellung und begleitende Vortragreihe „Alles unter Kontrolle“ fanden bereits 2011 statt. Umso mehr freuen wir uns, dass der Kunstraum als Herausgeber nun sein „jüngstes Druckwerk“ vorstellen kann.

Steigs damalige Closed-Circuit Videoinszenierung setzte den Besucher medial in die wechselseitige Rolle des beobachteten Objekts und beobachtenden Subjekts; generell warf seine Arbeit Fragen nach dem Konflikt der (staatlichen) Fürsorge und des damit einhergehenden (gewollten/ungewollten) Intimitätsverlustes auf. Die vier Beiträge der Publikation greifen mit unterschiedlicher Blickrichtung auf diese Konstellation zu und entwickeln darüber hinausgehende Überlegungen zur Ästhetik der Kontrolle.

Publikation mit Beiträgen von Ilka Kreutzträger und Nils Zurawski, Patricia Drück, Simon Frisch und Slavko Kacunko

Ein Kunstraum-Gespräch neben der Information:

Fünf Jahre Münchner Nazi-Terror-Prozess. Neuer deutscher Rassismus und das Problem der Geheimdienste im NSU-Komplex – mit einem Vortrag von Friedrich Burschel über die Konsequenzen

Mittwoch, 31. Januar 2018, 19 Uhr

Nürnberg



Im Mai 2018 werden es fünf Jahre sein: Seit 2013 trifft sich fast jede Woche in Saal A101 des Strafjustizzentrums an der Nymphenburger Straße der 6. Strafsenat des Münchner Oberlandesgericht. Zur Zeit laufen die Schlussplädoyers. Weder diese 400 Verhandlungstage des NSU-Prozesses, noch die mittlerweile 13 parlamentarischen Untersuchungsausschüsse haben eine umfassende Aufklärung des Nazi-Terrors erbracht. Das Kunstraum-Gespräch gibt einen groben Überblick über die offenen Fragen und diskutiert Vermittlungsstrategien, die zum Ende des Prozesses erwartet werden: Wird der Prozess als Ruhmesblatt deutscher Rechtsgeschichte in den Medien gezeichnet oder wird stattdessen eine Kritik an den deutschen Inlandsgeheimdiensten dominieren? Könnte es gar eine breite Debatte des neuen deutschen Rassismus geben?

Und noch ein Aspekt des Kunstraum-Gesprächs: Nach der Ermordung der Unternehmer Mehmet Kubaşık in Dortmund und Halit Yozgat in Kassel am 4. bzw. 6. April 2006 demonstrierten in beiden Städten tausende Menschen migrantischen Hintergrunds unter dem Motto „Kein 10. Opfer!“. Dennoch nahm auch keine kritische und linke Öffentlichkeit von dem mörderischen Agieren des NSU Notiz, sondern hat sich von den Medien, die die Polizeiversionen ungeprüft übernahmen, den Bären krimineller Machenschaften im „Ausländermilieu“ aufbinden lassen. Niemand hat gegen die Etikettierung der grausamen Hinrichtungen als „Döner-Morde“ je lautstark protestiert oder – außer den Betroffenen – auch nur Zweifel angemeldet. In der Rückschau: Was könnten Ursachen sein? In der gegenwärtigen Betrachtung: Welche gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen spielen im Gericht und in den Medien so gut wie keine Rolle? In der Vorschau: Warum können wir beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken?

Friedrich Burschel
ist Mitarbeiter des Prozessbeobachtungsprojekts NSU-Watch (nsu-watch.info) und am Oberlandesgericht München akkreditierter Korrespondent des thüringer Bürgerfunks Radio Lotte Weimar. Burschel hat bisher fast jeden Prozesstag besucht. Er ist Referent zum Schwerpunkt Neonazismus und Strukturen/Ideologien der Ungleichwertigkeit bei der Akademie für Politische Bildung der Rosa Luxemburg Stiftung und lebt heute in Berlin. Vorher war Friedrich Burschel künstlerischer Leiter des Kulturzentrums Altes Kino in Ebersberg bei München.

Moderation: Ralf Homann
Mitglied im Vorstand des Kunstraums. Er kuratiert zur Zeit die kommende Einzelausstellung der in Wien lebenden Künstlerin Eva Egermann „Kranke Sounds (Devianz und Pop)“. In seinen künstlerischen Arbeiten beschäftigt sich Homann seit vielen Jahren immer wieder mit rassistischer Praxis. Am 20. Januar 2018 senden BR und WDR seine Dokumentation: „Die Offenen Fragen – Dokumente der Nebenklage im NSU-Prozess“ (Regie: Karl Bruckmaier).