Seit 2016 betreibt Eva Raschpichler eine persönlich geprägte Forschung, die dem Werk des Münchner Filmemachers, Schriftstellers, Dramatikers und bildenden Künstlers Herbert Achternbusch (1938 – 2022) nachspürt. 2018 gelang es ihr, für die Ausstellung »Herbert Achternbusch. Das Gespenst. Ich zeige was ich kriegen kann, oder nicht.« im Kunstbunker Nürnberg zahlreiche neu- und wiederentdeckte Exponate zu präsentieren und diese mit ihrem eigenen künstlerischen Ansatz zu verbinden. Auch die Ausstellung im Kunstraum München »Achterncrush« bewegt sich zwischen wissenschaftlichem Kuratieren und künstlerischem Handeln, akribischer Forschung und freier Performance.
Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Daniela Stöppel
Since 2016, Eva Raschpichler has conducted in-depth research into the work of the Munich-based filmmaker, writer, playwright, and visual artist Herbert Achternbusch (1938–2022). In her exhibition »Herbert Achternbusch. Das Gespenst. Ich zeige was ich kriegen kann, oder nicht (Herbert Achternbusch: The Ghost. I Show What I Can Get, or Not)« at the Kunstbunker Nuremberg in 2018, she combined her own artistic approach with numerous newly discovered and rediscovered works by Achternbusch. Her new exhibition »Achterncrush« continues this approach, moving fluidly between scholarly curation and artistic intervention, meticulous research, and free-form performance.
Carsten Focks künstlerische Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld von Landschaft, Malereigeschichte und deutsch-deutscher Nachkriegsgeschichte – verbunden mit seiner Biografie. Landschaft ist für den in Bamberg und Wien lebenden Künstler kein neutrales Motiv, sondern historisch und kunstgeschichtlich aufgeladen; in Malerei, Zeichnung, Installation befragt er kritisch ein kulturelles Gedächtnis, das bis in die Zukunft wirksam ist. In der Ausstellung »Fault Lines« untersucht er, inwiefern aktuelle gesellschaftliche Umbrüche wie Rechtsruck, soziale Spaltung und Polarisierung öffentlicher Diskurse sich in ästhetischen Formen abbilden lassen und welche Verantwortung Malerei in Zeiten politischer Verunsicherung zukommt. Er macht Stimmungen, Brüche und Spannungen in seinen Bildern sichtbar – Landschaft, Architektur und Figur spielen dabei eine Rolle.
Die Ausstellung wird kuratiert von Nina Holm
Carsten Focks’s work deals with the tensions between landscape, the history of painting, and postwar East–West German history, all of which are closely linked to his own biography. For Fock, who lives in both Bamberg and Vienna, landscape is not a neutral motif, but one steeped in history and art history. In »Fault Lines«, he examines the extent to which current social upheavals—including a shift to the political right, deep societal division, and the polarization of public discourse—can be reflected in aesthetic forms, and what role of painting can play in times of political uncertainty. Moods, ruptures, and tensions are visible in his paintings—landscape, architecture, and human figures each play a role.
Die in Berlin lebende Konzeptkünstlerin Mio Okido beschäftigt sich mit kollektiven Erinnerungskulturen im globalen Kontext. Bei ihrer Archiv- und Stadtforschung sowie in Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Institutionen untersucht sie die deutsche und Münchner NS-Geschichte aus der Perspektive einer Künstlerin aus Japan – einem ehemaligen Verbündeten des NS-Regimes. Ihr Fokus liege auf der kollektiven Mittäterschaft gewöhnlicher Bürger:innen, auf »alltäglichem Niveau«, sagt Okido, und darauf, wie diese im städtischen Raum und in den Medien repräsentiert werde. Auf Grundlage dieser Recherche wird sie den Kunstraum München für ihre Ausstellung »Der Tagalbtraum« installativ und multimedial bespielen und »das Potenzial des Hauses optimal ausschöpfen«, so Okido weiter.
Die Ausstellung wird kuratiert von Alexander Steig
Berlin-based conceptual artist Mio Okido explores global cultures of collective memory. Her archival and urban research projects and collaborations with organizations and institutions address German history—particularly Munich’s Nazi past—from the perspective of an artist from Japan, a former ally of the Nazi regime. Okido’s work focuses on the collective everyday complicity of ordinary citizens and how that complicity is reflected in both the media and urban space. Her exhibition »Der Tagalbtraum« is convertig the Kunstraum into a multimedia installation that she states »makes optimal use of the building’s potential.«
Charlotte Eifler verbindet die Bereiche Bewegtbild, Extended Reality, Installation und Performance in ihren Arbeiten. Ihre künstlerisch forschenden Projekte thematisieren die Schnittstellen von Digitalität, Queerness, Archivpolitiken und spekulativen Zukünften. Im Kunstraum München greift sie erneut das Motiv der Misdirection auf – einer Technik die Wahrnehmung und visuelle Erinnerung zu manipulieren. Anhand dieser Methode, die sowohl in der Zauberei als auch in Kriegsführung, Politik und Diebstahl Anwendung findet, verknüpft Eifler instrumentalisierte Magie und algorithmische Vorhersagen. Mit »Troubled Fantômes« wird der Kunstraum München zu einem hybriden Gefüge aus Museum, Catwalk und Tatort – einem Ort, an dem sichtbare wie unsichtbare Spuren kolonialer Sammlungspolitiken, Fragen der Rückführung und der konfliktreiche Umgang mit kulturellem Erbe aufeinandertreffen.
Die Ausstellung wird kuratiert von Lena von Geyso.
Charlotte Eifler’s work combines moving images, extended reality, installation, and performance. Her artistic research is located at the intersection of digital culture, queerness, archival politics, and speculative futures. For her show in Munich, she revisits the topic of misdirection -a technique used to manipulate perception and visual memory that is also employed in magic, warfare, politics, and theft. Eifler’s »Troubled Fantômes« draws on the method to link instrumentalized magic and algorithmic prediction. She also transforms the Kunstraum into a combined museum, catwalk, and crime scene -a hybrid site where both visible and invisible traces of colonial collecting practices, issues of repatriation, and conflicted approaches to cultural heritage converge.
Pirgelis präsentiert diese gleich großen Werke an einem eigens entwickelten, autonom und frei stehenden Ausstellungsdisplay. Es entsteht so ein durchlässiger Körper im Raum, der diesen durchmisst und einnimmt, und zugleich die skulpturale Qualität sowohl der einzelnen Werke als auch die der Rauminstallation selbst unterstreicht. Die Rückseiten der Paneele bleiben teilweise sichtbar, wodurch die Werke auch als dreidimensionale Objekte in den Fokus rücken, die zwischen Bild, Relief und Skulptur changieren. Der Künstler konzentriert sich damit vor allem auf die seriellen und skulpturalen Aspekte seiner ortsspezifischen Installation und eröffnet zugleich verschiedene Bezugsräume – u.a. durch den verheißungsvollen Titel »Hawaiian Hills«. Seine Arbeit belebt die Konventionen von Postminimalismus und Konzeptkunst, stellt diese aber auch in Frage und ermöglicht in der Freiheit eines unabhängigen Kunstraums eine experimentelle Verschiebung der Grenzen zwischen Installation, Skulptur und Malerei.
In der Ausstellungshistorie des Kunstraum München knüpft Pirgelis außerdem an die frühen Ausstellungen von US-amerikanischen Künstler:innen wie Richard Tuttle, Fred Sandback, Agnes Martin oder Robert Ryman im Kunstraum der 1970er-Jahre an, was als eine zusätzliche ortsspezifische Verankerung und zeitgenössische Weiterentwicklung dieser frühen Konzepte gelesen werden kann.
Die Ausstellung wird kuratiert von Friederike Schuler.
Aus Anlass der Ausstellung erscheint eine Publikation und eine Edition des Künstlers.
In »Hawaiian Hills« Michail Pirgelis introduces his latest work series in a site-specific installation spanning two floors. The works are crafted from original red-and-white striped aircraft parts—abstracted fragments of flags. Pirgelis intervenes to varying effect in the design of these found materials using cutouts and other surface treatments. With their red stripes, white backgrounds, and consistent formats, the works recall abstract Minimal Art paintings. Yet the title »Hawaiian Hills«, evokes a space of longing that seems at odds with a conceptual approach.
The exhibition is curated by Friederike Schuler.
A publication and an edition will be published to accompany the exhibition.
Die Ausstellung wird gefördert durch die Karin und Uwe Hollweg Stiftung, Sprüth Magers und CSG, Chemnitzer Stahlrohrgerüstbau mbH.
The show is supported by the Karin and Uwe Hollweg Foundation, Sprüth Magers, and CSG, Chemnitzer Stahlrohrgerüstbau mbH.
»Machine Body Land« ist der Auftakt zum neuen Veranstaltungsformat des Kunstraum München, dem [***club], benannt nach dem jeweiligen Wochentag. Das Kurzfilmprogramm präsentiert an diesem Abend unterschiedliche Perspektiven auf die Themen Landwirtschaft und Nachhaltigkeit.
Der erste Teil von Angela Andersons »Three (or more) Ecologies« problematisiert einerseits das hochtechnisierte Fracking-Geschäft in den USA, andererseits porträtiert der Film das Dorf Jinwar, ein kollektives Öko-Landbauprojekt freier Frauen in der autonomen Region Rojava in Nordsyrien. Eingerahmt wird die Gegenüberstellung der beiden entfernten Orte durch Aussagen der politischen Philosophin und Aktivistin Silvia Federici.
In »Humus« spricht Antje Majewski mit dem brandenburgischen Landwirt Robert Häussler über die gesellschaftlichen Ansprüche an die Landwirtschaft und die Bedeutung der Humusbildung. »Ich kann mich nicht entsinnen, dass ich in meinem Studium in nennenswertem Umfang Bodenbiologie gelernt habe.« Häussler hat inzwischen auf Direktsaat umgestellt, die ohne Bodenbearbeitung auskommt.
Welche Wellen und Signale durchlaufen die Atmosphäre? In »Into the Magnetic Fields« zeigt Sandra Schäfer ferngesteuerte Traktoren, humanoide Roboter, die unsere Bewegungen imitieren, aber auch Zugvögel, die sich am Magnetfeld der Erde orientieren. Schäfers filmisches Essay reflektiert auf assoziative Weise die Zukunft des Verhältnisses von Natur, Mensch und Maschine.
Das Projekt »Skin Bodies« reflektiert durch Video, Kostüm, Text und Sound die Auswirkungen von institutioneller sowie struktureller Gewalt auf Performanz und Subjektivität von Körpern.
Ausgangspunkt der Auseinandersetzung ist die Zweikanal-Videoinstallation SKIN.BODIES I (2024, 17’32 Min.) der Videokünstler:in, Schauspieler:in und Performer:in Edith Saldanha, in der die Transformation von Körpern unter systemischem Zwang sichtbar werden. Im Mittelpunkt steht die Haut: als Archiv von Gewalt und Erinnerung, aber auch als Ort möglicher Transformation.
Theoretische Bezugspunkte für SKIN.BODIES I sind Pierre Bourdieus »Die feinen Unterschiede« und Frantz Fanons »Schwarze Haut, weiße Masken«. Desweiteren zog Saldanha Inspiration aus Werken von Grada Kilomba, ORLAN, Marvin M’toumo sowie aus popkulturellen Bezügen. Die Arbeit entstand im Rahmen einer Recherche in New York. Der Aufenthalt in Bedford-Stuyvesant, einem historisch Schwarzen Arbeiterviertel in Brooklyn, sowie die Recherche insbesondere im »Schomburg Center for Research in Black Culture« in Harlem flossen maßgeblich in das Projekt ein.
Foto: Edith Saldanha
Das Projekt wird kuratiert von Sophie Eisenried.
Zusätzliches Programm
[Panel-Diskussion] »Zwischen Freiraum und Marktlogik« Der Körper im Spannungsfeld von Kunst und Kultur Sonntag, 18. Januar 2026 um 19 Uhr
Auf dem Panelgehen wir der Frage nach, wie künstlerische Körper innerhalb des Kunstbetriebs verhandelt werden, der maßgeblich von Markt-, Förder- und Verwertungslogiken bestimmt ist und autonome Ausdrucksräume zugleich ermöglicht wie begrenzt. Vika Kirchenbauer (Künstlerin), Mako Sangmongkhon (Outreach- und Communitybuildung, Haus der Kunst München), Kalas Liebfried (Künstlerische Leitung, Lothringer 13 Halle, München) und Edith Saldanha (Künstler:in) diskutieren, wie sich diese Bedingungen auf Sichtbarkeit, Performativität und Widerstand auswirken und inwiefern Themen wie (Anti-)Faschismus und (Anti-) Rassismus unter solchen Voraussetzungen glaubwürdig verhandelt werden können. Ausgehend von der Ausstellung werden körperliche Praktiken als politisch und strukturell geformte Prozesse diskutiert.
Angela Stiegler und Samuel Fischer-Glaser, die mit weiteren Künstler:innen zurzeit mit dem Lauftheater »Au au au Hi hi hi – Ein temporäres Denkmal in 10 000 Schritten« im Rahmen von Public Art im Stadtraum von München vertreten sind, werden am 19. Oktober 2025 um 17 Uhr mit den Kurator:innen Ambra Frank und Luise Horn in der Ausstellung über ihre künstlerische Praxis sprechen.
Das erinnerungskulturelle Lauftheater »Au au au Hi hi hi« setzt sich kritisch mit der Wiedergutmachungspolitik Deutschlands nach 1945 auseinander und findet im öffentlichen Raum in München statt. Ausgangspunkt für die Performance in vier Akten sind die Biografien Philipp Auerbachs und Anton Hillers sowie dessen Skulptur »Gehende«. Der 4. Akt findet am 18. Oktober, 16 Uhr, am Maximiliansplatz, Goethe-Denkmal, statt.
Die Publikation erscheint aus Anlass des gleichnamigen Projekts, das in Kooperation zwischen dem Kunstraum München und En Plein Air 2023 realisiert wurde. Zwischen dem 10. September und dem 15. Oktober 2023 wurden an vier Sonntagen insgesamt acht Performances realisiert – sowohl im Kunstraum als auch im öffentlichen Raum. Das Projekt, das diese beiden Künstler aus unterschiedlichen Generationen zusammenbrachte, fand im Rahmen des 50. Jubiläumsjahr des Kunstraum München statt.
Vorgestellt wird »Santiago Sierra & Franz Erhard Walter« von Emily Barsi und Patricia Drück.
Das Projekt, das diese beiden Künstler aus unterschiedlichen Generationen zusammenbrachte, fand im Rahmen des 50. Jubiläumsjahr des Kunstraum München statt. Santiago Sierra ließ an verschiedenen Orten in München Geflüchtete aus Kriegsgebieten, die sich zu dieser Zeit in München aufhielten, fotografieren. Die Arbeit steht exemplarisch für sein Oeuvre, das sich kritisch-konfrontativ mit ökonomischer Ausbeutung, rassifizierenden Migrationspolitiken und strukturellen Vorurteilen beschäftigt. Im Wechsel mit den Performances von Santiago Sierra fanden Aktivierungen ausgewählter Objekte von Franz Erhard Walther statt. Der partizipative wie performative Charakter der Aktionen, die unterschiedliche Personengruppen mit einbezogen haben, bewirkte nicht nur einen Dialog zwischen den beiden Künstlern, sondern vermochte an ungewohnten Orten im öffentlichen Raum ein neues Publikum zu erschließen.
Die 60-seitige Publikation dokumentiert und kontextualisiert nun dieses vielschichtige Projekt anhand verschiedener Textbeiträge und ausgewählter Fotografien und gibt einen Rückblick auf die Aktivierungen von Franz Erhard Walther und die Aktionen von Santiago Sierra. Zudem beinhaltet die Dokumentation eine Auswahl der Fotografien, die in das künstlerische Archiv von Santiago Sierra eingegangen sind. Texte von Emily Barsi, Patricia Drück, Philipp Haas, Jürgen Moises, Angelika Stepken sowie ein Interview mit Abdulla Al-Hawta beleuchten das Projekt aus unterschiedlichen Perspektiven.
»Santiago Sierra & Franz Erhard Walther« Hrsg. von Emily Barsi und Patricia Drück für Kunstraum München e.V. und En Plein Air Mit Texten von Emily Barsi, Patricia Drück, Philipp Haas, Jürgen Moises, Angelika Stepken und einem Interview mit Abdulla Al-Hawta Gestaltung: Lisa Nadine Karl x Werbeagentur THE CROOKED YOUNG Verlag: Kunstraum München, Englisch, 60 Seiten, ISBN: 978-3-948754-08-2
Gefördert durch: Kulturstiftung der Stadtsparkasse München, Kulturreferat der Landeshauptstadt München
Im Rahmen der Kooperation von »En Plein Air 2025« und dem Kunstraum findet die Performance »Lebenslauf 1« des Künstlers Béla Juttner im öffentlichen Raum statt. Geplant ist eine Wanderung durch die Stadt, die am Isarufer in einer partizipativen Performance endet.
Die Location am Ufer rechts der Isar befindet sich zwischen Reichenbach- und Wittelsbacherbrücke auf den Koordinaten (48.1231948, 11.5700858)
Wegbeschreibung
von der U-Bahnstation Fraunhoferstraße
Auf der Fraunhoferstraße nach Südosten Richtung Baaderstraße
Weiter auf die Reichenbachbrücke
Am Ende der Brücke rechts abbiegen
Am Ufer entlang der Isar bis an die markierte Location gehen
Zentraler Bestandteil der Wanderung ist das Tragen eines 100-fach vergrößerten Babyjäckchens – Kern seines konzeptuellen Lebenswerks »Your Solid Life«, ein Langzeitprojekt des Künstlers, welches lebenslang dokumentiert, ausgestellt und in Performances/ Lebensläufen aktiviert wird.Achtundzwanzig Lagen der Jacke, die den Lebensjahren des Künstlers entsprechen, werden vor Ort mit Roter Bete eingefärbt und zwischen Bäumen getrocknet. Das Publikum wird aktiv eingebunden und zur Auseinandersetzung mit Themen wie Körper, Identität und Geschlecht eingeladen. Die Performance wird filmisch dokumentiert und Ende August öffentlich im Kunstraum München präsentiert.
Story
Der Künstler und Modedesigner Béla Juttner stieß in den Familienarchiven auf ein Foto, das seinen allerersten Ausflug als Baby dokumentierte. Dabei handelte es sich um Kleidung des Modeschöpfers Yves Saint Laurent. Die magentafarbene Samtjacke und Mütze waren von seiner Mutter auf einem Flohmarkt erstanden. Dieses allererste Outfit wird nun Ausgangspunkt für sein konzeptionelles Kunstwerk. Das Originalschnittmuster der YSL-Babyjacke wird 100-mal vergrößert, ohne die ursprüngliche Form zu verändern. Wie Baumringe um das Original entsprechen die Umrisslinien dem Alter eines Menschen.
Béla Juttner
In Béla Juttners künstlerischer Arbeit spielen Gattungsgrenzen kaum noch eine Rolle; die Übergänge von Installation, Performance, Mode, Design, Malerei und Film sind fließend. Seine Performances thematisieren Körperverwandlungen, Häutung und Auflösung von Geschlechtsidentitäten. Die Erfahrungen der Arbeit am und mit dem eigenen Körper beim Ballett sowie während des Modedesignstudiums hat Béla Juttner in seinem Kunststudium mit gesellschaftlichen Fragestellungen verschränkt.
Seine Aktionen werden unter Einbeziehung von Betrachter:innen und Publikum auf- und durchgeführt. Wesentlicher Bestandteil hierbei ist das Entwerfen von Kostümen und deren Design. Die einzelnen Elemente, die als Bestandteile einer physischen Sprache auftreten, ergeben eine Art ästhetische Gesamtfigur, die auf die Mehrdeutigkeit menschlicher Beziehungen hinweist und gesellschaftliche Normen hinterfragt. Dokumentiert werden seine Performances in Videos, die dann wiederum zu eigenständigen künstlerischen Arbeiten werden.
Kuratiert von Emily Barsi und Patricia Drück
Dieses Projekt wird gefördert durch den Bezirksausschuss des Münchner Stadtbezirks 2 Ludwigsvorstadt – Isarvorstadt