Hagen Verleger Kr. Inventory: Archive on Display

Zum Auftakt des Jubiläumsjahres widmet sich der Buchgestalter und Theoretiker Hagen Verleger (Berlin) der großen Materialfülle unseres Archivs in einer kuratierenden und kommentierenden Form. Im Spiel mit musealen und archivarischen Konventionen wird der Inhalt des Archivs aus dem Abstellraum in den Ausstellungsraum transferiert, wobei sich die Geschichte(n) der Institution anhand von ihren Künstler:innen, Netzwerken, Räumen und Publikationen in der Geste des Ausstellens sowohl entfalten als auch bewusst entziehen. Was zeigen der Raum eines Archivs, seine Leerstellen, sein Gewicht oder eine Liste von Namen? Was legen materielle und narrative Rahmenbedingungen offen? Was passiert zwischen der Ausstellung eines Archivs und seinem Gebrauch?

Kuratiert von Lena von Geyso

Das Ausstellungsprojekt entstand in engem Austausch mit der Archivgruppe des Kunstraum München (Patricia Drück, Lena von Geyso, Nina Holm, Luise Horn, Lennart Laule, Cora Piantoni, Friederike Schuler und Alexander Steig). 

Das Projekt wird unterstützt von Stiftung Kunstfonds und NEUSTART KULTUR aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

To kick off the Kunstraum München’s 50th anniversary in 2023, book designer and researcher Hagen Verleger (Berlin) explores the great wealth of material in the Kr. archive in a curated and annotated form. The exhibition links the archive as content with the archive as a place where history is made. In an interplay between museum and archival conventions, the contents of the archive are transferred from the storage space to the exhibition space, and the history(ies) of the institution simultaneously unfolds (its artists, networks, spaces, and publications) and is consciously eluded. What do the space of the archive and its gaps, weight, or list of names reveal? What do material and narrative frameworks reveal? What happens between the exhibition of an archive and its use?

The exhibition was created in close exchange with the archive group of the Kr., consisting of board members Patricia Drück, Lena von Geyso, Nina Holm, Luise Horn, Lennart Laule, Cora Piantoni, Friederike Schuler and Alexander Steig.

[Gastprojekt] Unsigned Untitled Undated – eine konzeptuelle Aktion mit Arbeiten auf Leinwand von Tim Beeby

»Unsigned Untitled Undated« ist das Angebot an die Besucher:innen des Kunstraum, ein unsigniertes Werk kostenlos mitzunehmen. Alternativ können Interessenten die Leinwand vom Künstler signieren lassen und sie dann zu den marktüblichen Konditionen käuflich erwerben.

Die Ausstellung besteht aus Arbeiten auf Leinwand aus Tim Beebys Serie »Inks«, in Stapeln an die Wand gelehnt oder gehängt. Alle Werke sind unsigniert, unbetitelt und undatiert. Die Besucher:innen des Kunstraums sind eingeladen, eine in der Ausstellung präsentierte Leinwand auszuwählen und sie kostenlos mitzunehmen.

Alternativ können Interessenten entscheiden, die Leinwand vom Künstler signieren und mit Titel und Datum versehen zu lassen und sie dann zum regulären Marktpreis anzukaufen. Alle käuflich erworbenen Werke werden fotografisch dokumentiert, und der:die Käufer:in erhält ein unterschriebenes, datiertes Echtheitszertifikat.

In Bezug auf die verwendeten Materialien und das ästhetische Erscheinungsbild sind die unsignierten und die signierten Arbeiten nicht voneinander zu unterscheiden. 

Das Projekt wird gefördert durch die Stiftung Kunstfonds und NEUSTART KULTUR aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie durch ein NEUSTARTplus-Stipendium der Stiftung Kunstfonds / NEUSTART KULTUR der BKM.

Unsigned Untitled Undated – a conceptual exhibition of works on canvas by Tim Beeby

Soft Opening: March 8, 2:00 p.m.
Artist talk between Tim Beeby and Wolfgang Ullrich: March 12, 2:00 p.m.

Visitors to the exhibition at the Kunstraum München are invited to select an unsigned work on canvas to take away with them free of charge. Alternatively, they can have the canvas signed by the artist and acquire it at the standard market price.

The »Unsigned Untitled Undated« event involves works on canvas from Tim Beeby’s ongoing series »Inks« – presented in stacks against the wall or hung. All of the works are unsigned, untitled, and undated. Visitors are invited to select a canvas, which they may take with them, free of charge.

Alternatively, visitors can have their canvas signed, dated, and titled by the artist and acquire it in the conventional manner at market price. The works that are purchased will be photographically recorded, and a signed and dated certificate of authenticity will be issued to the purchaser.

In terms of materials and aesthetic value, the unsigned and signed groups of work remain indistinguishable.  


Max Weisthof

Sattler-Nähmaschinen, Stahl, Leder, Fellteile: Schwere Materialien und Werkzeuge, Arbeiten auf Papier, Skizzenbücher und eine Fülle elektronischer Bauteile prägen den Fundus im Atelier von Max Weisthoff. Die permanente Arbeit im Unfertigen beeinflusst das ausstellerische Handeln: Neben Skulptur und Installation steht immer wieder der Körper – besonders der eigene – im Fokus ortsbezogener Aktionen und Performances. Die Archaik der Werkzeuge und Materialien formatiert die Auseinandersetzung mit dem Körper und mit Themen wie Maske, Entzug, Kontrolle und Übergriffigkeit im Raum.

Zehn ausgemusterte Scheinwerfer von 1972 des Olympiastadions München – jeweils 30 kg schwer und mit einem Durchmesser von gut 80 cm – wurden letztes Jahr als Schenkung Teil des Materiallagers. Im Zuge der hybriden Performance „Industrial Music for Industrial People“ (2021, Rosa Stern Space) wurden zwei der Strahler bereits zu wuchtigen Bass-Lautsprechern umgerüstet. Die Zeit im Kunstraum wird Max Weisthoff für weiterführende Versuche mit den technoiden Formen nutzen und die Objekte im Hinblick auf ihr spezifisches Resonanzverhalten untersuchen – der Ausstellungsraum verwandelt sich dabei zu einer skulpturalen Laborsituation.

Max Weisthoff (*1988 in Hannover) studierte Freie Kunst an der Muthesius Kunsthochschule und der Akademie der Bildenden Künste München. Seine bildnerische Herangehensweise nutzt den zunehmend invasiven Unschärfebereiche zwischen “analog” und “digital”. Er lebt und arbeitet derzeit als freischaffender Künstler in München, daneben ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Entwerfen und StadtArchitektur der Bauhaus-Universität Weimar für Prof. Andreas Garkisch tätig. Seine skulpturale und performative Arbeit wurde im Rahmen zahlreicher Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt und mit diversen Preisen und Förderungen ausgezeichnet.

Saddler sewing machines, steel, leather, pieces of fur: the collection in Max Weisthoff’s studio is characterized by heavy materials and tools as well as works on paper, sketchbooks, and a wealth of electronic components. Continuous work on the unfinished is what influences the artist’s exhibiting activities. Alongside sculpture and installation, it is the body—especially the artist’s own—that is the ongoing focus of his site-specific actions and performances. The archaic nature of the tools and materials provide the format for this exploration of the body and themes such as masking, withdrawal, control, and encroaching space.

Ten decommissioned floodlights from the 1972 Olympic Stadium in Munich—each with a diameter of 80 centimeters and each weighing 30 kilos—became part of the material storage last year as a donation. Two of the spotlights have since been converted into massive bass speakers for the hybrid performance “Industrial Music for Industrial People” (2021, Rosa Stern Space). During his time at the Kunstraum, Max Weisthoff will be further experimenting with their technoid forms and investigating their specific resonance behavior. The exhibition space will be transformed into a sculptural laboratory situation.

Max Weisthoff (*1988, Hannover) studied fine arts at the Muthesius Kunsthochschule in Kiel and the Academy of Fine Arts Munich. His performative strategies and auditory interventions examine the increasingly invasive and blurred space between the analogue and the virtual by means of automation, materiality, social access, and site-related sculptural observation of spaces. Weisthoff is a freelance artist currently based in Munich and also works as an academic lecturer at the Bauhaus University in Weimar. His sculptural and performative work has been featured in numerous exhibitions in Germany and abroad and also been awarded with prizes and grants.

HOUSES THAT CAN SAVE THE WORLD

Von den USA und Lateinamerika über Europa und den Nahen Osten bis hin zu Asien und Australien und darüber hinaus nimmt eine Revolution des Wohndesigns ihren Verlauf, da wir uns alle den Herausforderungen unseres Anthropozäns stellen müssen: Klimawandel und umweltschädliche Kunststoffe, globale Migration und die damit einhergehende Geopolitik, schnell wachsende Städte und eine alternde Bevölkerung. Eine weltweite Bewegung für symbiotische und sinnvolle Designlösungen ist im Gange, die unser Verständnis von dem Ort, den wir »Zuhause« nennen, neu definiert. Es handelt sich um nachhaltige Wohnmodelle, die große Veränderungen in der Art und Weise erfordern, wie wir uns heute unsere Häuser vorstellen und bauen. Partizipativ und achtsam verknüpfen diese neuen Hausbau-Taktiken Wissen aus den verschiedensten Bereichen, um würdige und nachhaltige Wohnformen für eine gesündere Zukunft zu schaffen/entwickeln.

Teilnehmer:innen: Võ Trọng Nghĩa Architects (Vietnam), DesignBuildBLUFF (USA), Emerging Objects (USA), Husos Arquitecturas (Spanien), ZAV Architects (Iran), CCA Architectural Ecologies Lab (USA), Practice Architecture (Großbritannien), People’s Architecture Office (China), Stephanie Chalthiel/MuDD Architects (Frankreich/Spanien), MUD projects (Niederlande), Abeer Seikaly (Jordanien)

Die Ausstellung basiert auf dem gleichnamigen Buch, das im September 2022 bei Thames & Hudson, London, erscheinen wird.

Kuratiert von Courtenay Smith (DE) and Sean Topham (GB)

Die Ausstellung wird gefördert von der IKEA Stiftung.

Kunstraum.Kunstraum
der mobile Podcast
mit Emily und Ralf
www.kunstraum-muenchen.de/podcast/

From the USA to Latin America, Europe to the Middle East, Asia to Australia and beyond, there is nothing short of a home design revolution underway as we all face the challenges of our Anthropocene era: climate change and polluting plastics, global migration and its accompanying geopolitics, rapidly expanding cities and an ageing population. A worldwide movement embracing symbiotic and sensible design solutions is underway that is redefining our understanding of the place we call “home.” These are sustainable housing models that demand big changes to the way we imagine and build our homes today. Participatory and mindful, these new home building tactics link together knowledge from myriad fields to create dignified and sustainable forms of habitation for a healthier tomorrow.

Featuring Võ Trọng Nghĩa Architects (Vietnam), DesignBuildBLUFF (USA), Emerging Objects (USA), Husos Arquitecturas (Spanien), ZAV Architects (Iran), CCA Architectural Ecologies Lab (USA), Practice Architecture (UK), People’s Architecture Office (China), Stephanie Chalthiel/MuDD Architects (France/Spain), MUD projects (Netherlands), Abeer Seikaly (Jordan)

The exhibition is based on the book of the same name that is being published by Thames & Hudson, London, in September 2022.

Curated by Courtenay Smith (Germany) and Sean Topham (UK)

The exhibition is made by possible with the generous support of the IKEA Foundation.

ZAV Architects, Tehran, Iran
Presence in Hormuz 02, Maharaja Residence, 2018–2020

Hormuz Island, Persian Gulf, Iran
Foto © Soroush Majidi

Gustav Metzger – Revisited

Am Beispiel von Arbeiten aus der Ausstellung »Gustav Metzger – Revisited« diskutieren wir gemeinsam mit Dr. Doris Leutgeb, Kustodin und Sammlungsleiterin der Generali Foundation, Salzburg, über das kunsthistorische und juristische Spannungsfeld im Umgang mit Urheberrecht und Urheberschaft von Kunst. Gustav Metzger, der stets um die Auflösung des klassischen Werkbegriffs bemüht war, stellte in seinen Kunstwerken, Aktionen und Manifesten Begriffe wie »Einmaligkeit«, »Autorenschaft« und »Ewigkeitswert« infrage – und damit die Nachwelt vor ganz besondere Aufgaben, wie damit heute umzugehen ist.
Ergänzend gibt die Filmemacherin Juli Lambert Einblicke in die Entstehung der filmischen Dokumentation der Aktion »Travertin/Judenpech«, die Gustav Metzger 1999 vor dem Haus der Kunst in München verwirklichte.

Dr. Doris Leutgeb ist Kunsthistorikerin mit einer Spezialisierung auf Kunstrecht, Kustodin und Leiterin der Sammlung Generali Foundation – Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg. Von 2000–2015 war sie für die Generali Foundation in Wien tätig, seit 2001 als Stellvertreterin der künstlerischen Leitung und Geschäftsführung und seit 2008 als Sammlungsleiterin. 2015 absolvierte sie den post-graduate Masterlehrgang »Kunst und Recht« an der Karl-Franzens-Universität Graz und 2017 den Zertifikatskurs »Forum Kunstrecht« an der Universität Wien, für den sie seit 2019 an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien Vorträge hält. Sie ist Mitglied der Forschungsgesellschaft »Kunst & Recht« und publiziert als Autorin Texte zu zeitgenössischer Kunst und Kunstrecht mit Schwerpunkt Urheberrecht.

Die Regisseurin und Autorin Juli Lambert studierte Dokumentarfilm- und Fernsehregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Seit ihrem Abschlussfilm »Die Hebamme« (2008) hat sie sich mit dokumentarischen Projekten innerhalb der Bindungsforschung einen Namen gemacht, z. B. mit »Die Fremde Situation – Kleinkinder mit ihren Müttern« (2013). Hauptberuflich arbeitet Juli Lambert seit 2001 im Bayerischen Rundfunk, aktuell als Sendeleiterin und Medienmanagerin im Sendezentrum Freimann. 1999 begleitete sie mit der Kamera die Aktion »Travertin/Judenpech« von Gustav Metzger im Rahmen von »Dream City« (25. März – 20. Juni 1999, Kunstraum München, Kunstverein München, Museum Villa Stuck und Siemens Kulturprogramm).

[Gastprojekt] Archive of the Unknown – Baalbeck Studios Beirut

»archive of the unknown« ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Studierenden der Lebanese Academy of Fine Arts in Beirut und der Akademie der Bildenden Künste in München zusammen mit Joseph Rustom und Sandra Schäfer in Partnerschaft mit Umam Documentation & Research in Beirut. Wir waren in der glücklichen Lage, an den Archivierungsprozessen der Baalbeck Studios in Beirut teilzunehmen, einer Filmproduktionsfirma, die von 1962 bis 1994 tätig war und von immenser lokaler und internationaler Bedeutung war. Große Teile des Materials wurden im Jahr 2010 von der libanesischen Kulturorganisation UMAM vor der Zerstörung gerettet. Anhand des teilweise unzugänglichen Film-, Ton- und Papiermaterials sowie der Ruine des Gebäudes untersucht unser Projekt die Imaginationen, Resonanzen, Diffusionen, Erosionen, Kontaminationen und das Kompostieren von Material und Erinnerungen der Baalbeck Studios. Welche Rolle das Archiv für die Zugänglichkeit von Wissen hat, wie es sich zur Erinnerung verhält und welche Rolle Materialität spielt, sind nur einige der Fragen, mit denen wir uns beschäftigt haben.

Dieser Prozess wurde in Kassel in Form einer bühnenartigen Installation mit Klängen, Filmen und anderem Material gezeigt, die während unserer kollektiven Arbeitsprozesse entstanden sind. Die Lebanese Academy of Fine Arts in Beirut und die Akademie der Bildenden Künste in München sind Teil des Composting Knowledge Netzwerks der documenta fifteen.

Vom 13. August bis 25. September fand eine Aktivierung in den Räumen des Composting Knowledge Netzwerkes in der Hafenstraße 76 in Kassel statt. Die Ausstellung im Kunstraum stellt eine Fortführung und Adaption diese Aktivierung dar.

Mit Georges Azzi, Mohamad Bzih, Paola Faddoul, Anne Gauger, Christina Georges, Benjamin Gerull, Kathrin Herold, Elias Khoury, Magdalena Kratzer, Lucia Ott, Joseph Rustom, Anja Schäfer, Sandra Schäfer, Karen Stephan und Manuela Unverdorben

Mit finanzieller Unterstützung der documenta fifteen, des Goethe-Instituts Beirut, ALBA Beirut und dem Akademieverein München

archive of the unknown – Baalbeck Studios Beirut
Part of the Composting Knowledge Network at documenta fifteen

»archive of the unknown« is an interdisciplinary collaboration between students from the Lebanese Academy of Fine Arts in Beirut and the Academy of Fine Arts Munich, together with Joseph Rustom and Sandra Schäfer and in partnership with UMAM Documentation & Research in Beirut. We were fortunate to participate in the archiving processes of Baalbeck Studios in Beirut, a film and music production company that operated from 1962 to 1994 and was of immense local and international importance. In 2010, the Lebanese cultural organisation UMAM was able to save a large amount of the archival material from destruction. Working with partly inaccessible film, sound, and paper material as well as the ruins of the building, our project investigates Baalbeck Studios’ imaginaries, resonances, diffusions, erosions, contaminations, and composting of materials and memories. Some of the questions we addressed included what role the archive has in the accessibility of knowledge, how it relates to memory, and what role materiality plays. We shared this process in Kassel as an installation with a stage-like set comprising sounds, film, and other materials harvested as part of our collective working process. The Lebanese Academy of Fine Arts in Beirut and the Academy of Fine Arts Munich are part of the Composting Knowledge Network of documenta fifteen.

From August 13 to September 25, an activation took place at the Composting Knowledge Network’s premises at Hafenstraße 76 in Kassel. The exhibition in the Kunstraum represents a continuation and adaptation of this activation.

With Georges Azzi, Mohamad Bzih, Paola Faddoul, Anne Gauger, Christina Georges, Benjamin Gerull, Kathrin Herold, Elias Khoury, Magdalena Kratzer, Lucia Ott, Joseph Rustom, Anja Schäfer, Sandra Schäfer, Karen Stephan, and Manuela Unverdorben.

With financial support from the Goethe-Institut Beirut, ALBA Beirut, and the Akademieverein Munich.

50 Jahre Kunstraum München Cora Piantoni – Der Neugiereffekt

Der Archivraum wird im Herbst 2022 von der Künstlerin Cora Piantoni (*1975, München/Zürich) bespielt. Material- und Konzeptionsgrundlage sind Auszüge aus Gesprächen und die Korrespondenz des Kunstraum-Archivs seit 1973.

Der Kunstraum München nimmt sein bevorstehendes 50-jähriges Jubiläum 2023 zum Anlass, sich der eigenen Historie zu widmen, die Arbeit am Archiv zu intensivieren und den Blick für eine Auseinandersetzung über Aufgaben, Rollen und Potenziale der Institutionsform Kunstverein zu öffnen. Im Zuge des Archivprojekts, das seinen Auftakt im November 2021 nahm, entstand im Untergeschoss eine Innenraumarchitektur des Künstlers rasso rottenfusser, die dem Kunstraum bis zum Jubiläumsjahr als Display für Forschung und Diskurs dient. Piantoni ist seit 2021 Mitglied der Archivgruppe im Kunstraum, die sich im Vorfeld des Jubiläums mit der eigenen Historie auseinandersetzt. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf Oral History-Gespärchen.

Während ihres Studiums in den 1990er Jahren an der Akademie der Bildenden Künste in München war der Kunstraum für Cora Piantoni ein wichtiger Impulsgeber und Ort des Austausches. Bereits 2016 hat sie sich zusammen mit Monika Kapfer für die Ausstellung „Abriss” mit der Korrespondenz und dem Presse- und Fotoarchiv des Kunstraums beschäftigt. Diese Auseinandersetzung erfährt 2022 eine Aktualisierung.

Im Zentrum von Piantonis künstlerischem Interesse stehen Fragen, wie sich politische und historische Ereignisse auf das Leben von Einzelnen auswirken und wie diese mit Überlebensstrategien und gemeinschaftlichem Handeln eine zunächst ausweglose Situation lösen. In ausgiebigen Interviews befragt sie die an einem historischen Ereignis Beteiligten, in diesem Falle historische Atkeur:innen. Ausschnitte dieser Gespräche bilden die Tonspur ihrer Filme und die Basis ihrer Textarbeiten. Parallel entwickelt sie mit ihren Gesprächspartner:innen Re-Enactments der Ereignisse aus der Vergangenheit, bewegte Bilder, die für eine politische oder gesellschaftliche Situation stehen. Teil ihrer künstlerischen Arbeit ist die Recherche und Sichtung von Archivmaterial, welches im Austausch mit Zeitzeug:innen eine Neubetrachtung erfährt.

Auf der Grundlage von Nachforschungen im Kunstraum-Archiv und Oral History-Gesprächen mit ehemaligen Vorständen und Mitarbeiter:innen entwickelt Piantoni eine räumliche Intervention, in der Selbstreflexion und Außensicht(en) der Institution miteinander in Beziehung gesetzt werden.

Archivgruppe: Dr. Patricia Drück, Lena von Geyso, Nina Holm, Dr. Luise Horn, Lennart Laule, Cora Piantoni, Dr. Friederike Schuler, Alexander Steig.

Besuchszeiten während der Ausstellungen (wenn nicht anders angegeben): Mittwoch bis Sonntag, 14–19 Uhr

Peter Hoiss. RGB

Der Versuch, die Welt in eine visuelle Ordnung zu bringen, ist thematischer Ausgangspunkt für die Präsentation von Peter Hoiss im Kunstraum München. In seinen Arbeiten widmet er sich dem Spannungsfeld von Fotografie, Installation und Wahrnehmung. Hierfür befasst er sich mit den Lichtfarben Rot, Grün und Blau (RGB) in der analogen Welt wie auch der Darstellung von RGB als vorrangigem Farbraum in der digitalen. In den von ihm gezeigten „Seh“-Objekten, Installationen mit Licht und Filterfolien sowie Fotoarbeiten eröffnet sich die subjektive Farbwahrnehmung den Rezipient:innen.

Kuratiert von Nina Holm

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Edition des Künstlers.

Die Ausstellung wird gefördert durch das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport, dem Land Oberösterreich Abteilung Kultur sowie das Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

The attempt to bring the world into a visual order is the thematic starting point for Peter Hoiss‘ exhibition. His work is dedicated to the interplay of installation, photography, and perception. In his exhibition at the Kunstraum, he deals with the primary colors red, green, and blue in the analogue world as well as the representation of RGB as the primary color space in the digital world. In the (visual) objects and photographic works on display, the three-color theory is combined with a breakdown of color perception.

RGB provides the visual framework for the works in the exhibition. Peter Hoiss also makes reference to this within the archive space on the Kunstraum’s ground floor, which was created as part of the Kunstraum’s 50th Anniversary.

Curated by Nina Holm

An edition by the artist will be published on the occasion of the exhibition.

The exhibition is sponsored by the Federal Ministry for Art, Culture, Public Service and Sport, the Upper Austrian Department of Culture and the Cultural Department of the City of Munich.

ATTENTION, Christine Sun Kim & Thomas Mader

Die Grußworte werden in Deutsche Gebärdensprache und American Sign Language übersetzt.

Open Art:
Freitag, 09.09., 18 – 21 Uhr
Samstag, 10.09., 11 – 18 Uhr
Sonntag, 11.09., 11 – 18 Uhr

Programm in der Ausstellung:
Sonntag, 18.09., 16 Uhr, Museum Signers. Führung durch die Ausstellung in Deutscher Gebärdensprache mit Birgit Fehn und Sabrina Göb
Sonntag, 09.10., 16 Uhr, Museum Signers. Führung durch die Ausstellung in Deutscher Gebärdensprache mit Birgit Fehn und Sabrina Göb
Sonntag, 23.10., 14 Uhr, Kuratorische Präsenz

Lange Nacht der Münchner Museen:
Samstag, 15.10., 18 – 1 Uhr

In Zeichnung, Performance, Soundarbeiten und Video widmet sich die kollaborative künstlerische Praxis von Christine Sun Kim & Thomas Mader komplexen Prozessen von Kommunikation, sozialem Ein- und Ausschluss, Gebärdensprache im Verhältnis zu gesprochener Sprache, in Grammatik inhärenten Machtstrukturen und erweiterten Möglichkeiten von Verständigung. Für den Kunstraum München entwickeln Mader & Kim eine raumgreifende Installation, die Möglichkeiten befragt, wie Aufmerksamkeit von Tauben* und hörenden Menschen im physischen und digitalen Raum erhalten und gelenkt werden kann. Ausgehend von zwei Vokabeln schafft die kinetische Anordnung eine Choreografie, die die Semantik Amerikanischer Gebärdensprache räumlich und körperlich erfahrbar macht und um einen Zustand ständiger Suche nach Aufmerksamkeit in zeitgenössischen Mediengesellschaften erweitert.

Kuratiert von Lena von Geyso

*Im Deutschen wird hier, analog zum Englischen „Deaf“ der Begriff „Taub“ (anstelle von „gehörlos“) verwendet, der den Fokus nicht auf Hörverlust, sondern auf Identität legt. Taub mit dem großen T steht für Menschen, die der Tauben Gemeinschaft angehören, einer sprachlichen Gemeinschaft, die Gebärdensprache als primäre/bevorzugte Kommunikationsform verwendet.

Der Archivraum im Untergeschoss wird in Vorbereitung auf das 50-jährige Jubiläum von Cora Piantoni bespielt. Grundlage sind Auszüge der Korrespondenz aus dem Archiv seit 1973.

Die Ausstellung wird gefördert durch das Amerikanische Generalkonsulat München, das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, das Sozialreferat der Landeshauptstadt München. Koordinierungsbüro zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die GLS Treuhand Dachstiftung für Individuelles Schenken sowie die Steiner-Stiftung München.

In Kooperation mit dem Gehörlosenverband München und Umland (GMU) und Various Others.

ATTENTION
Christine Sun Kim & Thomas Mader
September 10 – October 23, 2022

Opening:
Friday, Sept. 9, 7:00 p.m.
Within the framework of VARIOUS OTHERS 2022
With a greeting from John Stubbs, Consul for Public Affairs, United States Consulate General Munich

Open Art:
Friday, September 9, 6:00 – 9:00 p.m.
Saturday, September 10, 11:00 a.m. – 6:00 p.m.
Sunday, September 11, 11:00 a.m. – 6:00 p.m.

Exhibition Program:
Sunday, September 18, 4:00 p.m., Museum Signers. Guided tour of the exhibition in German Sign Language with Birgit Fehn and Sabrina Göb
Sunday, October 9, 4:00 p.m., Museum Signers. Guided tour of the exhibition in German Sign Language with Birgit Fehn and Sabrina Göb
Sunday, October 23, 2:00 p.m., Curatorial Presence

The Long Night in Munich’s Museums
Saturday, October 15, 6:00 p.m. – 1 a.m.

In drawing, performance, sound pieces, and video, Christine Sun Kim & Thomas Mader’s collaborative artistic practice addresses complex processes of communication, social inclusion and exclusion, sign language’s relationship to spoken language, power structures inherent in grammar, and the expanded possibilities of understanding. For the Kunstraum München, Kim & Mader are developing an extensive installation that explores the ways in which attention in physical and digital spaces can be received and directed by Deaf* and hearing people. Based on two vocabularies, Kim & Mader’s kinetic arrangement is a choreography that makes the semantics of American Sign Language spatially and physically palpable and extends their meanings to include a state of perpetual attention seeking in contemporary media societies.

Curated by Lena von Geyso

*Deaf with a capital D stands for people who belong to the Deaf community, a linguistic community that uses sign language as its primary/preferred form of communication.

In cooperation with rasso rottenfusser

In preparation for the Kunstraum’s 50th anniversary, Cora Piatoni is redesigning the archive space on the ground floor using excerpts from correspondence in the archive since 1973.